Was ist Dry-Hire?
Dry-Hire bezeichnet die reine Vermietung von Veranstaltungstechnik oder Equipment ohne begleitende Serviceleistungen durch den Vermieter. Im Gegensatz zum „Wet-Hire“ (oder Full-Service), bei dem zusätzlich zum Equipment auch Personal (Techniker für Aufbau, Bedienung, Betreuung) und oft auch Transport angeboten werden, erhältst du beim Dry-Hire ausschließlich das Gerät selbst. Das bedeutet, dass du als Mieter für Planung, Transport, Auf- und Abbau, sowie für den fachgerechten Betrieb und die Rückführung der Geräte in einwandfreiem Zustand verantwortlich bist. Dry-Hire wird häufig von Veranstaltern, Technikern oder Agenturen genutzt, die entweder eigenes qualifiziertes Personal haben oder bereits über Erfahrung in der Handhabung und Installation verfügen.

Merkmale und Abgrenzung zu Full-Service-Leistungen
- Ausschließliche Gerätvermietung
- Beim Dry-Hire mietest du ausschließlich die Hardware (z. B. Lautsprecher, Mikrofone, Mischpulte, Beleuchtungstechniken, Videoprojektoren). Alles Zubehör wie Kabel, Stative oder Cases wird in der Regel ebenfalls mitgegeben, sofern es Teil des Mietpakets ist.
- Serviceleistungen wie Transport, Auf- und Abbau, Einrichtung, Programmierung oder Betreuung während der Veranstaltung sind nicht inklusive.
- Eigenverantwortung des Mieters
- Du bist selbst für die Planung (z. B. Auswahl des richtigen Equipments, technische Kompatibilität), den Transport (z. B. Transporter, Ladungssicherung), den Auf- und Abbau (z. B. korrekte Positionierung von Lautsprechern, rigide Befestigung bei Traversen) sowie für das Troubleshooting während des Events verantwortlich.
- Zusätzlich musst du sicherstellen, dass alle Geräte sachgemäß bedient werden und die geltenden Sicherheitsvorschriften (z. B. Stromanschlüsse, Erdung, Lastverteilung) eingehalten werden.
- Kostenstruktur
- Dry-Hire-Tarife sind in der Regel günstiger als Full-Service- oder Wet-Hire-Pakete, da du keine Technikerstunden oder Logistikdienstleistungen bezahlen musst.
- Nebenkosten können anfallen, wenn du selbst zusätzliche Leistungen einbuchst (z. B. optionaler Transport), oder falls Schäden auftreten, die über die normale Abnutzung hinausgehen.
Komponenten und Verantwortlichkeiten beim Dry-Hire
- Equipmentauswahl
- Ton: Aktiv- oder Passivlautsprecher, Subwoofer, Mischpulte, Mikrofone, Endstufen, DSP-Prozessoren.
- Licht: Scheinwerfer (Par-Spots, Fresnel, LED-Panels), Moving Heads, Nebel- und Hazer-Geräte, Dimmerpacks, DMX-Controller.
- Video: Beamer, Leinwände, Displays, Kameras, Regiepulte und Kabel.
- Bühnen-/Rigging: Traversen, Stative, Bühnenpodeste, Karabiner, Rundschlingen, Rollgerüste.
- Zubehör: Kabel (XLR, Speakon, DMX), Mikrofonständer, Lautsprecherstative, Cases, Schutzhüllen.
- Planung und Logistik
- Du kalkulierst eigenverantwortlich Fristen für Abholung und Rückgabe der Geräte. Kläre frühzeitig, wie viele Stunden du für Auf- und Abbau benötigst, und buche ggf. entsprechende Tage für die Miete.
- Transporter, Anhänger oder Kombi: Beachte Maße und Gewicht des Equipments. Ladehilfen, Rampen oder Palettenwagen können nötig sein, um schwere Lautsprecher oder Traversen sicher zu verladen.
- Auf- und Abbau
- Du stellst sicher, dass genug qualifiziertes Personal vorhanden ist, um Lasten abzustützen, Leitungen korrekt zu verlegen und die Auflagen für Höhentraversen einzuhalten. Bei fehlender Erfahrung lohnt es sich, zumindest kurzfristig einen Techniker für eine Einweisung zu engagieren.
- Elektrische Anschlüsse müssen vorschriftsmäßig abgesichert werden (FI-Schutzschalter, ausreichende Stromkreise, professionelle Mehrfachsteckdosen), damit keine Kurzschlüsse oder Überlastungen entstehen.
- Inbetriebnahme und Betrieb
- Du nimmst sämtliche Geräte vor Ort in Betrieb: Tontechnik kalibrieren (Gain-Staging, Equalizing, Limiting), Lichttechnik programmieren (DMX-Adressen, Kanäle), Videoprojektion justieren (Zoom, Keystone, Fokussierung).
- Bei Fehlern bist du eigenständig für Troubleshooting verantwortlich (z. B. Kabelbruch, Lampenausfall beim Beamer, Feedback-Schleife bei Mikrofonen).
Anwendungsbereiche für Dry-Hire
- Selbstständige Tontechniker oder Agenturen
- Wenn du als Freelancer oder Agentur bereits qualifiziertes Personal stellst, möchtest du häufig nur Equipment ohne Service buchen, da du die Arbeitskräfte selbst bereitstellst.
- Vorteil: Du bist flexibel in der Personalplanung und kannst je nach Event-Umfang Kurzfristaufträge annehmen.
- Veranstalter mit eigenem Technikteam
- Betreiber von Locations (z. B. Veranstaltungszentren, Clubs, Gemeindezentren) greifen auf Dry-Hire zurück, wenn ihre Haustechniker das Handling übernehmen.
- So können Kosten im Rahmen gehalten werden, da nur das Equipment, aber nicht zusätzliches Personal eingekauft wird.
- Film- und Videoproduktionen
- Für Dreharbeiten an wechselnden Drehorten oder bei kleineren Filmprojekten ist es oft üblich, Kameras, Lichtkits und Tonpakete dry zu mieten und das eigene Filmteam für den Aufbau und Betrieb mitzubringen.
- Wanderausstellungen und Messepräsentationen
- Ausstellungskuratoren und Messebau-Firmen haben zumeist eigene Logistik- und Technikteams. Sie buchen LED-Wände, Monitorsysteme oder Audio-Modularsysteme dry, da sie bereits über Personal und Fahrzeuge verfügen.
- Private Feierlichkeiten und DIY-Events
- Wenn du privat ein Fest (Hochzeit, Geburtstag, Jubiläum) planst, kannst du Lautsprecherboxen, DJ-Equipment, Lichtsets oder Konferenzmikrofone dry mieten. Du organisierst selbst Freunde oder Bekannte, die etwas Technik-Erfahrung haben, für Auf- und Abbau.
- Vorsicht: Wenn du über zu wenig Erfahrung verfügst, können Fehler bei der Verkabelung, Einstellung oder Gerätehandhabung zu Fehlfunktionen führen.
Vorteile von Dry-Hire
- Kosteneffizienz
- Da nur das Equipment verrechnet wird, sparst du Servicepauschalen, Technikerstunden und Logistikkosten. Gerade wenn du eigenes Personal hast, ist Dry-Hire wirtschaftlicher.
- Flexible Personalplanung
- Du kannst selbst entscheiden, ob du nur ein externes Einweisungspersonal für wenige Stunden hinzuziehst oder komplett ohne fremde Hilfe auskommst.
- Volle Kontrolle über Ablauf und Technik
- Dein eigenes Team hat während des gesamten Prozesses Entscheidungsfreiheit und kann spontan Änderungen vornehmen (z. B. umstecken, Kanalbelegung ändern), ohne Rücksprache mit einem externen Dienstleister halten zu müssen.
- Schnelle Abwicklung
- Da keine komplexe Koordination von Serviceleistungen nötig ist, kann die Buchung im idealen Fall kurzfristig (auch wenige Tage vor Event) erfolgen, sofern ausreichend Equipment verfügbar ist.
Herausforderungen und Risiken beim Dry-Hire
- Technisches Know-how erforderlich
- Du musst ausreichend Erfahrung in der Handhabung von Veranstaltungstechnik besitzen. Ohne Kenntnis von Gain-Staging, DMX-Adressierung, parametrisierter Equalizer-Einrichtung oder Coronaschutzmaßnahmen für Traversen drohen Fehleinschätzungen.
- Eigenverantwortung für Sicherheit
- Ein nicht fachgerecht verbautes Stativ, falsch montierte Traverse oder schlecht verlegte Kabel können zu Unfällen führen (Stolpern, Abstürze, Kurzschlüsse). Du bist allein für die Einhaltung aller Normen (z. B. VDE, UVV, DIN-Normen) verantwortlich.
- Logistischer Aufwand
- Wenn du kein eigenes Fahrzeug oder keine Transport-Partner hast, musst du externe Logistikdienste buchen. Bei schweren Geräten (PA-Bass-Säulen, Line-Array-Module, Traversen) sind Hebehilfen und mindestens zwei starke Helfer nötig.
- Mietkaution und Schadenrisiko
- Equipment-Mieter müssen oft hohe Kautionen hinterlegen (z. B. 20–30 % des Nettowertes). Wenn Geräte beschädigt zurückgegeben werden oder Teile fehlen, zieht der Vermieter die Reparatur- oder Neupreis-Kosten von der Kaution ab.
Tipps für erfolgreiches Dry-Hire
- Sorgfältige Bedarfsanalyse
- Erstelle eine vollständige Liste aller benötigten Geräte und Zubehörteile (inkl. Kabellängen, Adapter, Stative). Beschreibe genau, welche Funktionen du brauchst (z. B. 2 × 12″ Aktivlautsprecher, 1 × 15″ Subwoofer, 24-Kanal-Digitalpult).
- Frühzeitige Buchung und Verfügbarkeit prüfen
- Gerade besondere Geräte (High-End-Line-Array-Systeme, 4K-Laser-Beamer, PTZ-Kameras) sind schnell ausgebucht. Reserviere mindestens 4–6 Wochen vor dem Event. Wenn kurzfristig, kontaktiere den Vermieter direkt, um Engpässe zu prüfen.
- Transport und Verpackung bedenken
- Nutze Flightcases oder gepolsterte Cases, um empfindliche Geräte (Beamer, Displays, Mixing-Console) zu schützen. Berücksichtige Sperrgutmaße: Manche Lautsprecher-Stacks oder Traversen passen nicht durch Standardtüren.
- Organisiere Helfer und Ladehilfen (Rampen, Gabelstapler, Sackkarre). Beschrifte Cases zwecks schneller Identifikation (z. B. „PA Links“, „TV-Regie“, „Licht-Controller“).
- Eigenes Technik-Personal schulen
- Vergewissere dich, dass alle Helfer Grundkenntnisse zu den Geräten haben: Bedienungsanleitungen lesen, Einstiegs-Einweisung durch den Vermieter (sofern angeboten) wahrnehmen.
- Richte vorab räumlich die Positionen ein (Sketch des Bühnenplans/Grundrisses), um am Veranstaltungstag Zeit zu sparen.
- Checklisten und Zeitpuffer
- Erstelle Checklisten für Auf- und Abbau: Wann werden welche Geräte angeschlossen? Wer übernimmt welche Kabelwege? In welcher Reihenfolge wird die Hardware hochgefahren? Plane pro PA-Anlage mindestens 60–90 Minuten für Soundcheck ein und pro Licht-Setup 45–60 Minuten für Programmierung.
- Sicherheitsanforderungen beachten
- Verwende FI-geschützte Steckdosenleisten, um Personenschäden durch Stromschläge zu vermeiden. Bei Traversen: Achte auf die korrekte Berechnung der maximalen Last (Statik, Flaschenzüge, Sicherheitsketten). Bei Outdoor-Events: Halte Regenschutz für Elektronik-Boxen und Zusatzhäuschen (Drybox) bereit.
- Übergabe- und Rückgabeprotokoll
- Dokumentiere bei Abholung den Zustand aller Geräte: Seriennummern, sichtbare Kratzer, fehlende Teile. Bei Rückgabe wiederhole die Dokumentation. Damit verhinderst du berechtigte oder unberechtigte Reklamationen und sicherst deine Kaution ab.
Dry-Hire ist ideal, wenn du bereits über qualifiziertes Personal, Fahrzeuge und Know-how für Veranstaltungstechnik verfügst und nur die reine Gerätemiete benötigst. Du profitierst von niedrigen Mietraten und maximaler Flexibilität in der Personaleinteilung. Gleichzeitig trägst du aber die volle Verantwortung für Transport, Aufbau, Betrieb, Sicherheit und Rückführung der Geräte. Eine sorgfältige Planung, realistische Zeitpuffer für Auf- und Abbau, fundiertes technisches Verständnis sowie klare Dokumentation von Übergabeprotokollen und Versicherungsoptionen sind essenziell, damit dein Dry-Hire-Einsatz reibungslos und kosteneffizient verläuft.